Vor Entstehung der portugiesischen Nation
Das Land wird von keltiberischen Stämmen bewohnt, die mit den Phöniziern, Karthagern und Griechen sympathisieren. Erst nach vielen langen und grausamen Feldzügen gelingt es den Römern, den Widerstand der Keltiberer zu brechen. Der Westen der Halbinsel wird im II. Jhdt. v. Chr. unterworfen. Augustus richtet daraufhin die Provinz Lusitanien ein. Im V. Jhdt. wird die Provinz von den Alanen und Sueben eingenommen, die schließlich den Westgoten den Platz abtreten. Die mit dem Jahr 711 beginnende Vorherrschaft der Muslime wird durch die Feldzüge Alfons III., König von Asturien (866-910), erschüttert, dem die Rückeroberung der Gegend um Porto gelingt. Ferdinand I., König von Kastilien, befreit schließlich den Landstrich zwischen Douro und Mondego (1064).
Die Bildung des portugiesischen Königreichs: Die Herrscherdynastie von Burgund
Alfons VI., König von Leon, der sich bis zum Tejo vorkämpft, übergibt die Grafschaft Portugal (Gegend um Porto) an Heinrich von Burgund, dem Gemahl seiner unehelichen Tochter Theresia. Damit ist dieses Gebiet zwar rein politisch, aber definitiv von Galicien getrennt, wo man denselben Dialekt spricht, wie auch von der restlichen Halbinsel (1097). Heinrich emanzipiert Portugal von Kastilien in Bezug auf religiöse Angelegenheiten und erreicht die Erhebung von Braga zum Erzbistum (1104). Allerdings gelingt es ihm nicht, die Eroberung Lissabons und Santarems durch die Muslime zu verhindern. Nach Zeiten der Unruhe im Anschluss an seinen Tod (1114) widmet sich sein Sohn Alfons I. Henriques (1128-1185) der Unabhängigkeit Portugals. Mit Unterstützung des Adels bricht er alle Brücken zu Kastilien. Das Ansehen, das er seit seinem Sieg über die Mauren in Ourique (1139) genießt, ermöglicht ihm die Übernahme des Königtitels, der 1143 von Kastilien anerkannt wird.
Portugal setzt seine Expansion in Richtung Süden unter Rückdrängung des Islam weiter fort. Alfons I. macht Coimbra zur Hauptstadt, siedelt die Templer und Hospitaliter zwischen Mondego und Tejo an, nimmt Santarem, ab 1147 Lissabon und Sintra ein und besetzt einen großen Teil des Alentejo. Seine Nachfolger setzen seinen Eroberungszug fort, wobei sie auf die Unterstützung der spanischen Ritterorden von Santiago und Calatrava zurückgreifen, die sich schnell nationalisieren, und ohne Zögern Kreuzzüge, die ins Heilige Land vorgesehen waren, für sich beanspruchen, um die Muslime im Süden besser zurückzuschlagen. Erst nach der Niederlage der Almohaden bei Las Navas de Tolosa (1212), an der auch die portugiesischen Truppen unter Alfons II. (1211-1223) beteiligt sind, schreitet die Eroberung in großen Schritten voran und endet schließlich in der Algarve (1249) unter der Herrschaft Alfons III. (1248-1279). Die eroberten Gebiete, in denen noch bis 1497 Muslime und Juden leben, werden unmittelbar in Anspruch genommen, nicht nur durch Siedler aus dem Norden, die dort den Dialekt Portos verbreiten, sondern auch durch Siedler aus anderen Ländern, Laien wie Männer der Kirche, z. B. die Zisterzienser aus Alcobaça oder die Domherren vom Hl. Augustin. Die Einwanderer, die besonders unter Sancho I. (1185-1211) zahlreich ins Land strömen, finden sich in den ehemaligen Lehnsherrschaften zu unabhängigen Zentren zusammen und werden vom König mit Privilegien ausgestattet.
Mitte des XIII. Jhdts. hat Portugal seine territoriale Entwicklung fast gleichzeitig mit seiner institutionalen Gestaltung abgeschlossen. Theoretisch übt die Monarchie, seit dem XI. Jhdt. Erbmonarchie, uneingeschränkte Macht aus. Die Tradition des Volksentscheids, die auf das Verfahren der Königswahl zur Zeit der Westgoten zurückgeht, führt jedoch letztendlich zur Bildung der Cortes. Die erste Einberufung der Cortes oder Ständeversammlungen ist aus Coimbra bekannt, wo zunächst nur Klerus und Adel vertreten sind (1211). Hier entstehen jedoch bereits die ersten Elemente einer portugiesischen Gesetzgebung. Bis zu diesem Zeitpunkt wird der königlichen Autorität lediglich durch die Privilegien eines äußerst wohlhabenden Klerus und eines Adels Grenzen auferlegt, der sich das Recht zur Rechtsprechung bzw. zur Steuererhebung bei der ihm untergebenen Bevölkerung herausnimmt und sich auf diese Weise im Rahmen einer aktiven Feudalgesellschaft behauptet. Die fortschreitende Entwicklung der Feudalstrukturen und des Klerus beunruhigen Alfons II., der ihnen mit Unterstützung des Kanzlers seines Vaters, Juliao, einen ersten Riegel vorschiebt, indem er alle Besitzansprüche (Inquiriçoes) überprüfen lässt und dem niederen Klerus sowie den weltlichen Vertretern des Klerus per Amortizaçao den Erwerb von Immobilien untersagt. Der Konflikt dauert bis zur Herrschaft Sanchos II. (1223-1248) an, der vom Papst seines Amtes enthoben und durch seinen jüngeren Bruder Alfons (1245) ersetzt wird. Dieser hat im Gegenzug das Versprechen zu leisten, die Rechte der Kirche zu respektieren (Abkommen von Paris, 1245). Trotz der Unterstützung Kastiliens muss Sancho, der sich in den Norden des Landes zurückzieht, letztendlich in Toledo Zuflucht suchen (1248). Alfons III. wird daraufhin als König Portugals anerkannt. Als Sieger verweigert er die Einhaltung der Bedingungen des Pariser Abkommens und schränkt nicht nur die Rechte der Kirche weiter ein, sondern lässt in den Cortes von Leiria (1254) zum ersten Mal auch die Vertreter der Städte zu. Damit kann er mit Unterstützung der Bourgeoisie endlich die Anfang des XIII. Jhdts. erzielten feudalen Errungenschaften wieder rückgängig machen. Er öffnet dieser im Aufkommen begriffenen sozialen Schicht den Zugang zur "königlichen Kurie", deren Aufgaben allmählich konkrete Gestalt annehmen und deren gebildetste Mitglieder, die Legisten, den Herrscher bei der Verfassung und der Umsetzung der Ordenaçoes unterstützen, die sich gegen die Privilegierten richten. Unter der Herrschaft von Dionysius (1279-1325), dem die Gründung der Universität in Lissabon im Jahr 1290 zu verdanken ist (1308 wird diese nach Coimbra verlegt und von 1338 bis 1354 sowie von 1377 bis 1537 nach Lissabon zurückgeführt) und der den Dialekt von Porto zur Landessprache erhebt, wird diese Politik der Verstärkung der königlichen Autorität mit der Unterstützung der städtischen Mittelschicht weiter fortgesetzt. Zum Dank dafür wird deren wirtschaftliche Tätigkeit gefördert. Ab dem XII. Jhdt. trägt die Fischerei zum Ausbau des maritimen Geschäfts bei und bald schon finden sich die portugiesischen Händler in Brügge und London wieder, wo sie Fisch, Wein, Öl, Leder und die Scharlachbeere ihres Landes anbieten.
Die Nachfolger von Dionysius, Alfons IV. (1325-1357) und Peter I. (1357-1367), setzen sein Werk fort und führen das Land hin zu einer Expansion jenseits des Meeres. Im XIV. Jhdt. jedoch durchlebt Portugal, dessen Bevölkerung aufgrund der Schwarzen Pest von 1348 um die Hälfte zurückgegangen ist, eine schwere wirtschaftliche Krise. Um dieser Krise entgegen zu wirken, fördert Ferdinand I. (1367-1383) die nationalen Reedereien, die auf eine starke Konkurrenz durch das Ausland treffen, und richtet eine Art Versicherungsgesellschaft ein. Darüber hinaus verpflichtet er Landbesitzer zum Anbau auf ihren Ländereien unter Strafe der Enteignung zu Gunsten der Monarchie (1375). Diese Anstrengungen erweisen sich jedoch als unzureichend und die abenteuerliche Politik des Königs in Kastilien trägt lediglich zu einer Verschlechterung der Lage bei.
Der Schatz der Tempelritter in Tomar?
Diese Darstellung, die einen der Schlusssteine eines Saales im Konvent der Christusritter schmückt, der wiederum zur Burg von Tomar gehört, wird von Maurice Guinguand (L'or des templiers: Gisors ou Tomar) als Abbildung des Hermes Trismegistos interpretiert, der als Gründer der Alchimie angesehen wird. Sie könnte darauf verweisen, dass diese "Kunst" auch im Konvent praktiziert wurde - wie auch das Ei der Alchimisten bekunden könnte, das westlich der Burg noch zu sehen ist. An dieser Stelle sei daran erinnert, dass die Alchimie im Mittelalter und in der Renaissance als richtiggehende Philosophie der Materie galt, deren Anhänger die Geheimnisse der Natur zu ergründen suchten. Der mysteriöse Aspekt, der der Alchimie in der Regel beiwohnt, ist auf die Kodifizierung der verwendeten Sprache zurückzuführen, deren Entschlüsselung einzig den Eingeweihten vorbehalten war.
Dieses Bildnis der drei Gesichter befindet sich nicht weit vom Refektorium des Christuskonvents entfernt, gut versteckt (und heute vor den Besuchern verborgen), allerdings derart geschickt platziert, dass eine Abnahme nicht nur zum Einsturz der Decke, sondern des gesamten oberen Stockwerks führen würde. Genau dieselbe Kopfdarstellung findet man am unteren Rand einer der Säulen in der Kathedrale von Sées in Frankreich wieder. M. Guinguand zufolge verweisen diese beiden Skulpturen auf den Standort desselben Schatzes (desjenigen der Templer), allerdings in zwei verschiedenen Epochen.
Nach Meinung des Autors war der wertvolle Besitz des Templerordens vereint und in Sées in Sicherheit gebracht worden, und zwar an einem besonders geheimen Ort, zu dem der im Inneren der Kathedrale befindliche Brunnen in Bezug steht. Als Philipp der Schöne im Jahr 1307 die Verhaftung der Templer befiehlt, beauftragt der Großmeister des Ordens, Jacques de Molay, einen seiner Ritter mit der Aufgabe, den Schatz zu retten. Dieser wird daraufhin in den Norden Frankreichs gebracht, wo ein Teil der zuvor aus La Rochelle in See gestochenen Templerflotte bereits wartet. Die wertvolle Fracht wird dann nach Portugal verschifft und in Serra d'El Reis, in der Nähe von Obidos, an Land gebracht. Von dort stellt der Weitertransport nach Tomar kein Problem mehr dar.
Vor nicht allzu langer Zeit versuchten internationale Experten, die Kellergewölbe der Burg von Tomar zu erkunden. Die Existenz von Eingängen ist bekannt, auch wenn diese versiegelt sind, und man glaubt zu wissen, dass die Templer an manchen Stellen bis zu einer Tiefe von dreißig Metern unter der Erde gegraben haben. Die Experten griffen auf die Unterstützung des geophysischen Instituts zurück und konnten dank modernster Mittel - Geoelektrizität und Georadar - unterirdische Gewölbe in bis zu 40 Metern Tiefe ausfindig machen, und das ohne jede Öffnung, Berührung oder Beschädigung. Der portugiesische Kulturminister untersagte jedoch jegliche Ausgrabungen.
Damit ist den Legenden nach wie vor keine Grenze gesetzt: Befindet sich unter der Burg von Tomar ein versteckter Schatz, oder vielleicht sogar das fünfte Evangelium, von Christus selbst verfasst? ...



